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Kanutour auf der Peene - Ein Erlebnisbericht

Ostseeferien in Vorpommern - Karte der Peene-Region
Die Peene

Im Juli letzten Jahres entschieden Sebastian, Georg und ich eine 8-tägige Amazonas-Kanu-Tour zu unternehmen. Diese fand auf der Peene statt (Kanuten nennen den Fluss scherzhaft „Amazonas des Nordens“) und umfasste den Abschnitt zwischen Demmin und Anklam (ca. 70 km). Wir hatten allesamt keinerlei Kanuerfahrung und waren dem Team, einer der dort ansässigen Kanustationen, dankbar für die geduldige wie auch umfassende Einweisung. Leichte Bedenken als Kanuamateur der Wanderstrecke Demmin-Anklam nicht gewachsen zu sein, wurden schnell zerstreut. Idyllische Flussabschnitte, eine wunderschöne Landschaft, kleine pittoreske historische Städte und gehöriger Muskelkater machten die Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Die Anreise verlief problemlos. Vom Demminer Bahnhof aus, fuhren wir mit dem Taxi zur Aussetzstelle (5 Minuten Fahrt), wo uns unser Tourführer erwartete. Nach gemütlichem Plausch, einer ersten Tourbesprechung und warmem Abendessen zogen wir uns in die Zelte zurück, um Kraft für die bevorstehende Tour zu sammeln.

Am nächsten Morgen hieß es dann die „Schulbank“ drücken. Der Tourführer machte uns mit den Grundlagen des Kanusports vertraut, wobei wir erfuhren, dass die Peene besonders für Anfänger gut geignet sei, aufgrund kaum messbarer Strömung und wenig Verkehr. Dennoch wird Sicherheit bei allen Kanustationen groß geschrieben. Das Tragen einer Schwimmweste wird empfohlen und die Einweisung in Paddelrevier und Material ist ausführlich.

 

Ostseeferien auf dem Wasser
Wasserwanderrastplatz (WWR)

Nach dem Unterricht ging es dann auch direkt los. Sorgfältig verstauten wir das Gepäck in den dafür vorgesehenen Packtonnen und Packsäcken, verabschiedeten uns vom Guide (der uns für den Notfall seine Mobilnummern gab) und machten uns im dreisitzigen Canadier auf den Weg.

Schnell merkten wir, welche Vorteile so eine Kanutour bietet - ausreichend Zeit und Ruhe, die Natur zu genießen und den Blick über verschlafene Dörfer und Städte schweifen zu lassen. Selbst für die Region typische Tiere wie Seeadler, Fisch- und Graureiher oder Biber und Otter, ließen sich hin und wieder blicken. (Ehrlich gesagt sahen wir vom Biber "nur" seine Spuren und seinen Bau da aber deutlich) Entlang des Flusses fanden sich immer wieder Wasserwanderrastplätze und Biwakmöglichkeiten. In größeren Ortschaften bot sich oft die Chance in einem Supermarkt die Vorräte aufzufrischen. Die mittägliche Rast nutzten wir hin und wieder, um die Örtlichkeiten zu erkunden. Städte wie Gützkow und Jarmen, oder eines der vielen am Ufer der Peene gelegenen Naturschutzgebiete (Schwingetal und Peenewiesen).

Manchmal hatten wir mit leichtem Gegenwind zu kämpfen, was Sebastian einige Male ermutigte, Georg und mich alleine paddeln zu lassen. Somit war die Position des letzten Mannes im Kanu hart umkämpft. Schließlich bot sie die Möglichkeit, unbemerkt von den beiden Vordermännern, zu verschnaufen.

paddeln auf der Peene

Die Nächte im Zelt waren eine angenehme Erfahrung (man kann das Ganze aber auch mit Übernachtung in festen Unterkünften buchen), die das Naturerlebnis verstärkten. Das gemächliche Plätschern des Flusses, zirpende Grillen und das Rauschen des Windes in den Bäumen bescherte uns einen ruhigen Schlaf und ließ ein Gefühl von - na ja - Freiheit aufkommen. Außerdem gibt es kaum was Schöneres als abends in vertrauter Runde am Feuer zu sitzen oder morgens mit Peeneblick den Kaffee zu genießen.

 

Eine Woche nach Reiseantritt, und fast 70 zurückgelegten Kilometern, erreichten wir Anklam. Aus der Ferne kündigte sich die Stadt schon - durch die „Zwillingstürme“ der St.-Marien- und der Nikolaikirche - an. Am dortigen Kanurastplatz wurden wir bereits vom Team der Kanustation erwartet. Nach kurzer Erholung brachte man uns freundlicherweise zum Bahnhof, wo wir mit Rucksäcken voller Dreckwäsche, aber auch voller neuer Eindrücke und Erfahrungen, in den Zug stiegen.

 

Bernd Schölzel

 

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